Teil 3
Nu isses auch hier kälter geworden. Heute hatte es in Tennessee und Kentucky nur so um die 12 Grad und geregnet hats zwischendurch auch. War aber nicht so schlimm nach all der vorangegangenen Wärme. Kentucky hat mir gut gefallen, ist ähnlich wie Tennessee nicht so üppig südstaatlich, in den Bergen sogar recht ärmlich. Aber die kleinen Städte haben Charme. Und politischer scheinen sie auch: zwar tauchen in den Bergen kaum Wahlschildchen auf, dafür umso mehr im restlichen (also dem von mir durchfahrenen) Land. In Danville, KY, waren die Wahlkampf Headquarters der Republikaner und Demokraten grade zwei Blocks voneinander an der Hauptstraße, aber beiden waren -leider - in treuer Eintracht geschlossen, wo ich doch fest entschlossen reinmarschieren wollte. Danville ist der Ort, wo am College die nationale election debate zwischen Vizepräsident Biden und Vize-Kandidat Ryan stattgefunden hat. Der ganze Ort scheint deshalb immer noch in Aufregung zu sein. Überall in den Schaufenstern Bilder, Hinweise, nationale Goodies bis hin zu in den Nationalfarben angemalte Feuerlösch-Hydranten.

Mein Besuch in Frankfort, der Hauptstadt Kentuckys, war dann leider enttäuschend. Die Stadt scheint am Wochenende schlafen zu gehen. Ein riesiges Konressgebäude und Capitol, aber kein einziger Mensch weit und breit. In der Innenstadt war dann meine Suche nach irgendeinem Andenken mit Frankfort drauf (Frankfort hast übrigends nix mit unserem Frankfurt zu tun) auch nicht von Erfolg gekrönt. Zwar ertönte aus einer abgesperrten Straße Musik, dort gab es aber nur irgendeinen Sozialflohmarkt mit Liveband. Da dort gerade ein Briefträger längs lief, dachte ich, der weiß nun sicher über alle Läden in seinem Bezirk Bescheid. Meine Frage also nach einem Souvenirgeschäft wandelte sein Gesicht zu einem großen Fragezeichen, als hätte er diesen Begriff noch nie gehört, dann erzählte er mir was, das ich nur mühsam entziffern konnte - war schon ein eigenwilliger Dialekt. Aber genützt hat alles nix, nicht mal Postkarten als letzten Ausweg gibt’s in der Hauptstadt des Whiskeylandes.
So wie ich den Briefträger wohl mit dem Fremdwort Souvenir überfordert habe, ging es mir zuvor schon in einem Geschäft in Alabama: Dort sollte ich $ 5,56 zahlen. Ich gab - typisch deutsch - $ 6 in Scheinen und 6 cent, dachte halt, es sein einfacher für die gute Frau, mir dann zwei Quarters rauszugeben. Weit gefehlt. Die guckte mich an wie von ner anderen Welt, wusste überhaupt nicht, wozu die 6 cent dienen sollten, nahm dann einen und gab mir dann letztlich doch auf 5,56 raus. Das hat ihre Kasse angezeigt, alles andere war außerhalb ihrer Reichweite. Ist aber wohl selbst bei einfacheren Rechenaufgaben ein Problem. Heute hab ich glatt wieder für einen Betrag von $ 6,01 einen Zehner und eine ein Cent Münze gegeben. Der fragende Blick des Kassierers ließ mich am amerikanischen Bildungssystem zweifeln. Kreditkarte ist unterm Strich einfacher.
Nun bin ich in Cincinnati gelandet, im alles entscheidenden Swing-State Ohio. Hab mir extra ein Hotel Downtown gesucht, um großstädtisches Leben zu erhaschen, aber auch hier scheint am Wochenende dicht gemacht zu werden. Hat allerdings den Vorteil, das es in meinem Zimmer, obwohl es zur sechsspurigen Straße rausgeht, ziemlich ruhig ist.
Also lass ich jetzt den Fernseher laufen, auf dem Kanal C-Span werden Dauer-Wahlsendungen gezeigt. So war gerade die Übertragung einer Rede von Ann Romney in St. Augustin, Florida. Hinter ihr die Strahlefrauen mit Superzähnen und wackelnden Schildern “Women for Mitt” und Grinse-Ann erzählte von ihrem liebevollen Ehemann und Vater, und wie er schnurstracks in Illinois (ich glaub da war das) zum 14 jährigen Sohn eines Feurwehrmannes geeilt war, der unheilbar an Krebs erkrankt war und dicht vorm Sterben. Und Mitt ist doch tatsächlich persönlich zu ihm hin und hat ihn getröstet, dass danach (also wohl nach dem Tod) das nicht vorbei sei, weil es sowas wie Wiedergeburt oder so ähnlich gibt. Da johlten die Frauen ob soviel (gut)gläubiger Menschelei. Und überhaupt ist es in den letzten vier Jahren vor allem den Frauen an den Kragen gegangen, sie haben am meisten unter Arbeitslosigkeit gelitten und den Alleinerziehenden geht es schlechter als jemals zuvor - hat sie einfach mal so mit Strahlelächeln (tatsächlich) erzählt, um dann voller Begeisterung auszurufen: “Aber Hilfe naht” dank Mitt for women. Ja und Barbara Bush, die ja schon als Ehefrau und als Mutter Präsidentschaftswahlkampfe durchgestanden hat, selbst sie hält nun diesen für die “most important election in my lifetime”. Das nun wertete Ann Romney als die endgültige Krönung ihres Göttergatten. Und der hat ja eigentlich immer Erfolg:als Ehemann, als Vater, als Geschäftsmann, als Olympia-Organisationschef damals in Salt Lake City, was heißt “he cannot fail” und das heißt folgerichtig, der kann dann natürlich auch nicht als Präsident versagen bei soviel Erfolgs-Qualifikation. Ich glaub ich hab in meinem Leben noch keine schlichtere Wahlkampfrede gehört.
Dann gabs noch Debatten zwischen Kandidaten fürs Repräsentantenhaus, aus denen ich glatt nochmal für zwei Seiten Schwachsinn der Republikaner zitieren könnte. Aber nur ein Beispiel: Die Regierung verbietet der 17 jährigen Farmerstochter den Traktor zu fahren. Welch unerhörte Einmischung in das Elternrecht, who most will take care of their daughter and not the government.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen